Entwicklungspolitischen Projekten einen Sinn geben

Mit der Abendveranstaltung „Sinn und Unsinn von ‚Entwicklung‘ und ‚Entwicklungspolitik’“ wollten der Weltladen Unterwegs und der RLP Fachpromotor für Migration und Entwicklung die Gelegenheit bieten, sich zu Erfahrungen mit entwicklungspolitischen Projekten auszutauschen und darüber zu reflektieren.

Die Veranstaltung begann mit einem Impuls durch den Fachpromotor. Basierend auf seiner Dissertationsrecherche vertritt er die These, dass Entwicklungspolitik versagt, denn sie beruht, bewusst oder unbewusst, auf falschen Ansätzen. Es kann nicht funktionieren, wenn man Menschen aus ihren eigenen Vermächtnissen und Realitäten entwurzelt und sie dazu anhält, die Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Völker zu übernehmen. Entwicklung soll von den Menschen selbst heraus wachsen, so wie ein Baum von den Wurzeln her wächst, und nicht auf Basis gepflanzter Samen westlichen Gedankenguts.

Der Referent ist der Meinung, dass es möglich ist aus eigenen historischen und kulturellen Vermächtnissen ein eigenständiges Entwicklungsmodell aufzubauen. Denn entgegen der üblichen Annahme gibt es kein universales Entwicklungsmodell.

Während sich seine Recherche auf die zwischenstaatliche Ebene bezieht, sieht der Fachpromotor die gleiche Kritik bei kleinen Projekten, die zivilgesellschaftliche Organisationen in Ländern durchführen. Dies löste einen freien Austausch zwischen den Teilnehmenden der Veranstaltungen aus. So bemängelten sie, dass bei Entwicklungsprojekten nach wie vor meistens die Geldgeber die Zügel in der Hand halten. Häufig haben diese eine feste Vorstellung davon, wie die Projekte umgesetzt werden sollen, und Herangehensweisen, die nicht in ihr Schema passen, werden abgelehnt. So entstehen die Ideen für die Projekte im Westen bzw. aus westlicher Perspektive.

Aus der Sicht des Fachpromotors führt diese Haltung der Geldgeber dazu, dass die Menschen sich selbst als „Bedürftige“ sehen, die nicht für sich selbst denken können oder sollen. In den Köpfen wird eine gewisse Überzeugung für den Zustand als Bittsteller verfestigt.

Hoffentlich werden solche kritischen Veranstaltungen dazu beitragen, den Kurs bei entwicklungspolitischen Projekten zu ändern.

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