„Das Land ist unser Leben, unsere Identität, unser Erbe“: Das geht uns alle an

Es gibt Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt. Rechte von marginalisierten Gruppen, ihre Rechte auf eine eigene kulturelle Identität sowie auf eigene spirituelle Praxis. Ihr Recht, kurzum, auf Leben.

Es ist schwer sich vorzustellen, dass Menschen in diesem Jahrhundert noch gehasst und vertrieben werden. Und dennoch passiert genau das in Brasilien unter dem mitschuldigen Blick der internationalen Gemeinschaft. Hetze, Entrechtung und Gewalt sind das, was Brasiliens indigene Bevölkerungen seit der Machtübernahme von Bolsonaro erlebt. Bereits während seines Wahlkampfs kündigte er an, die indigenen Völker zu unterdrücken. Er verglich sie mit Tieren im Zoo und deutete dabei an: „die Indianer sprechen unsere Sprache nicht, haben kein Geld, haben keine Kultur. Sie sind primitive Völker“.

So verspottet das Regime Bolsonaros die Lebensweise der indigenen Bevölkerung. Indianerschutzgebiete sind dem Agrobusiness und Rohstoffjägern schon immer ein Dorn Auge gewesen. Abgesehen davon, dass Brasiliens Wälder und Savannen wichtig für die Kultur der indigenen Bevölkerung sind, tragen sie auch zur Stabilität des globalen Klimas und zur Erhaltung der Biodiversität bei. Aber das bedeutet nichts für Bolsonaro. Angetrieben vom Kapitalismus ist er blind für soziale und ökologische Gerechtigkeit – er will einfach abholzen. In diesem Zusammenhang machte Bolsonaro es sich zu seiner Aufgabe, unter seiner Präsidentschaft „den Indianern nicht einen Millimeter mehr Land zu lassen“.

Widerstand der indigenen Völker

Bolsonaro führt tatsächlich seit seiner Machtübernahme seine Pläne gegen die indigenen Völker Brasiliens durch. Er machte eine Agrarlobbyistin zur Landwirtschaftsministerin. Ihre Ernennung ist kein Zufall, denn genauso wie ihr Chef Bolsonaro setzt sie auf intensive landwirtschaftliche Nutzung der Böden. Das ist für die indigene Bevölkerung und die Natur ein schlechtes Zeichen. Bewaffnete Gruppen, im Namen des Regimes, dringen immer wieder in ihre Heimat vor und Übergriffe jeglicher Art nehmen zu.

Mitte Juni waren Anführerinnen der Frauenorganisation der Guarani-Kaiowá auf Reisen in Europa unter dem Motto „das Land ist unser Leben, unsere Identität, unser Erbe“. Sie berichteten über die Verfolgung der Ureinwohner*innen sowie die spezifische Lage der Frauen in diesem gewalttätigen Kontext. Täglich wird das Guarani Gebiet von bewaffneten Männern patrouilliert. Dabei entsteht Gewalt jeglicher Art, von Schikanierung, Schießereien, Festnahmen, bis hin zu Vergewaltigung von Frauen. Schätzungsweise mehr als 200 Guarani sitzen im Gefängnis.

Bolsonaro unterschätzt jedoch die Entschlossenheit der indigenen Völker, für ihre Rechte und die Natur zu kämpfen. „Egal was es kostet“ heißt es seitens der ersten Völker Brasiliens. Sie wollen sich nicht aus ihren Gebieten zurückziehen und leisten Widerstand. Tausende indigene Menschen aus allen Regionen Brasiliens und aus Nachbarländern haben vom 24. bis 26. April am brasilianischen Regierungssitz campiert, um gegen Landraub und die Zerstörung der Natur zu protestieren.

Das geht uns alle an

Für uns Organisationen der Zivilgesellschaft, wie wir, kommt es nicht in Frage, dass die Lebensgrundlage und die Natur aufgrund von Macht- und Geldgier zerstört werden. Wir finden es inakzeptabel, dass Menschen, die sich für ihre selbstverständlichen Rechte und die Umwelt einsetzen, misshandelt, verfolgt, vergewaltigt und umgebracht werden.

Dabei haben übrigens auch die sogenannten Demokratie Staaten eine Mitschuld an der Situation in Brasilien. Durch den Import landwirtschaftlicher Produkte ist Europa mitverantwortlich für die großflächige Abholzung in Brasilien. Dies verstärkt den Druck auf den Boden und die Umwelt. Deswegen wollen wir durch dieses Plädoyer auf die Verantwortung Deutschlands als Importeur von Agrarrohstoffen und Sitz multinationaler Agrarkonzerne aufmerksam machen.

Wir fordern von Deutschland und der EU einen harten Kurs bei Verhandlungen mit Brasilien. Bei Gesprächen über Handelsabkommen müssen der Schutz der Umwelt und die Einhaltung der Menschenrechte im Vordergrund stehen. Dazu fordern wir Deutschland auf, alles in ihren Kräften stehende zu unternehmen, um die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.

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